Engerlinge im Rasen: Wenn kahle Stellen von unten entstehen

Ein Rasen, der von innen heraus stirbt, ist schwerer zu erkennen als einer, der oberflächlich beschädigt wird. Engerlinge verursachen genau das: Sie fressen die Wurzeln des Grases von unten – unsichtbar, still, und oft über Wochen – bis die Grasnarbe buchstäblich zusammenbricht.

Wer das erste Mal mit Engerlingen konfrontiert ist, wundert sich meistens. Der Rasen sah noch vor kurzem normal aus, und jetzt lässt sich ein ganzer Bereich wie ein loses Stück Teppich anheben.

Was Engerlinge sind und wie sie in den Rasen kommen

Engerlinge sind die Larven verschiedener Käferarten – am häufigsten des Maikäfers (Melolontha melolontha), des Junikäfers (Amphimallon solstitiale) und des Gartenlaubkäfers (Phyllopertha horticola). Die Käfer legen ihre Eier im Sommer in den Boden, und die schlüpfenden Larven verbringen ein bis mehrere Jahre im Erdreich – je nach Art bis zu drei Jahre – bevor sie sich verpuppen.

In dieser Zeit fressen sie kontinuierlich Pflanzenwurzeln. Rasenwurzeln sind dabei besonders gefährdet, weil sie flach und dicht sind – ein ideal gedeckter Tisch für Engerlinge im oberen Bodenbereich.

Wie man Engerlingschäden erkennt

Das typischste Zeichen ist ein Rasen, der sich anheben lässt. Die Grasnarbe ist nicht mit dem Boden verwurzelt, weil die Wurzeln gefressen wurden. Man greift in die Kante einer kahlen Stelle, und der Rasen kommt in Stücken hoch wie ein alter Teppich.

In früheren Stadien ist das Schadbild subtiler: Der Rasen wird fleckig braun, ohne dass Trockenheit oder andere offensichtliche Ursachen vorliegen. Die betroffenen Stellen geben beim leichten Treten nach – der Boden fühlt sich hohl oder weich an, obwohl er es nicht sichtbar ist.

Ein weiteres Zeichen ist intensive Vogelaktivität auf bestimmten Rasenbereichen. Stare, Krähen, Elstern und Dachse sind geschickte Engerlingsjäger. Wo sie konzentriert auf einer Fläche picken und scharren, lohnt es sich, den Boden aufzugraben – dort sind wahrscheinlich Engerlinge.

Zur Bestätigung: Die Stellen aufgraben und nachschauen. Engerlinge sind cremeweißliche, gebogene Larven mit braunem Kopf, etwa ein bis vier Zentimeter groß je nach Entwicklungsstadium. Mehr als drei bis fünf Engerlinge pro Quadratdezimeter gelten als schadenrelevante Dichte.

Wann ist die Schadensperiode am stärksten?

Die kritischste Phase für Rasenschäden liegt im Spätsommer und Herbst – typischerweise August bis Oktober. In dieser Zeit sind die Larven bereits groß, haben hohen Energiebedarf und fressen intensiv in der für Rasenwurzeln relevanten Tiefenschicht von fünf bis fünfzehn Zentimetern.

Im Frühjahr und Frühsommer sind kleinere Engerlinge aus dem Vorjahr wieder aktiv, bevor sie sich verpuppen – das kann erneut zu Schäden führen, ist aber meist kürzer und weniger intensiv.

Was gegen Engerlinge hilft

Nematoden sind die wirksamste biologische Bekämpfungsmethode. Dabei handelt es sich um mikroskopisch kleine Fadenwürmer (Heterorhabditis bacteriophora), die Engerlingen parasitieren und abtöten, ohne Pflanzen, Tiere oder Menschen zu schaden. Sie werden als Lösung ausgebracht, die in den Boden gegossen wird.

Wichtig für die Wirksamkeit: Die Nematoden müssen zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt werden – wenn die Engerlinge jung und noch im oberen Bodenbereich aktiv sind, typischerweise Mitte Juli bis Mitte August. Der Boden muss beim Ausbringen ausreichend feucht sein, und nach der Behandlung sollte regelmäßig gewässert werden, damit die Nematoden in den Boden eindringen können.

Nematoden sind im Fachhandel erhältlich und müssen kühl und frisch gehalten werden – sie sind lebende Organismen mit begrenzter Haltbarkeit.

Chemische Mittel gegen Engerlinge, die früher verfügbar waren, sind in Deutschland heute für den privaten Garten nicht mehr zugelassen. Wer auf entsprechende Produkte stößt, sollte die Zulassung prüfen.

Was nach dem Befall zu tun ist

Wenn die Engerlinge bekämpft oder natürlich abgezogen sind, bleibt eine beschädigte Rasenfläche zurück. Die betroffenen Bereiche müssen aufgearbeitet werden: aufgelockert, eventuell mit etwas Rasenerde verbessert, und dann nachgesät.

Wer nachsät bevor sichergestellt ist, dass die Engerlinge weg sind, sät auf eine Fläche, deren Wurzeln erneut gefressen werden. Nachsaat und Bekämpfung sollten zeitlich aufeinander abgestimmt sein.

Ein praktischer Hinweis: Betroffene Bereiche nach dem Aufarbeiten gut wässern – das lockt verbleibende Engerlinge an die Oberfläche und erleichtert den Vögeln die Arbeit. Manchmal erledigt die Natur einen Teil der Bekämpfung selbst, wenn man ihr die Möglichkeit gibt.